Mercatorplatz Bonn

Durch die Gestaltung der öffentlichen Räume am UN-Campus in Bonn wird das Gebiet des ehemaligen Regierungsviertels zu einem hochwertigen Campus mit eigener Identität entwickelt. Dabei baut die Neugestaltung auf den vorhandenen landschaftlichen, architektonischen und geschichtlichen Qualitäten des Ortes auf.

Es galt in einem heterogenen Areal, das baulich nur in geringem Maße verändert werden darf, allein mit freiraumplanerischen Mitteln eine neue Adresse zu schaffen. Dafür wurde eine durchgängige Designlinie entwickelt, die über eine prägnante, wiederkehrende Gestaltung unterschiedliche Aufenthaltsorte definiert und dem Areal eine „Corporate Identity“ verleiht.

Architektonisches und funktionales Zentrum des Areals ist der `Mercatorplatz‘. An diesem Ort befindet sich der deutsche UN-Standort mit der Universität der Vereinten Nationen und dem Weltklimareferat. Der Platz definiert den zentralen Gelenkpunkt im Stadtraum bildet das Entree zum UN-Gelände. Bei der Weltklimakonferenz 2017 sollen hier geschätzte 25.000 Besucher aus aller Welt empfangen werden.

Es wurde ein großzügiger Stadtraum geschaffen, der in seiner Gestaltung auf den Namen des Ortes, den „Platz der Vereinten Nationen“, Bezug nehmen will. Aus sicherheitstechnischen Gründen konnten keine größeren Aufbauten errichtet werden, es galt den Platz durch die Bodenbeläge und Ausstattungselemente zu gestalten; einen charaktervollen Raum allein aus Detail und Material zu schaffen.

Im Zentrum des Areals liegt eine „Platzintarsie“, die ein großformatiges, gekrümmtes Raster ausbildet. Die Linien folgen den Meridianen und Breitengraden aus der Mercator-Weltkartenprojektion. Dadurch entsteht ein dynamischer Raum, der alle Richtungen der Umgebung zusammenführt, an die weltpolitische Bedeutung der Vereinten Nationen erinnert und in seiner Gestaltung an das Motiv der UN-Flagge anknüpft. In der Mitte des Platzes verstärkt eine skulpturale Bank die gestalterische Wirkung. Die Bank schafft zusammen mit im lockeren Raster gestellten Blütenbäumen (Baummagnolien) mit einfachsten Mitteln einen Aufenthaltsbereich und macht den Platz zu einem Ort der Kommunikation und des Austausches.

Die Leitdetails, die den Mercatorplatz prägen, finden sich in veränderter Form im Umfeld des Platzes wieder und leiten den Besucher zu den Vereinten Nationen. Alle wichtigen Wegeverbindungen werden von skulpturalen Bänken flankiert, die, basierend auf einer einheitlichen Grundgestaltung, je nach Situation Decks, Hocker- oder Lehnenbänke ausformen. Infostelen markieren die Eingänge, sie weisen auf Veranstaltungen der UN oder der benachbarten Museen hin. Die Bushaltestellen sollen die räumliche Wirkung der Eingangspromenaden stärken und Torsituationen ausbilden.

Die Grundform aller Ausstattungselemente bildet ein Parallelogramm mit gerundeten Kanten. Die tragenden Elemente sind in Stahl ausgeführt. Die seitlichen Kappen der Bänke wurden, um eine größtmögliche Dreidimensionalität zu gewährleisten, in Aluspritzguss hergestellt. Der Bodenbelag des Mercatorplatzes wurde in Gussaphalt ausgebildet, die Mercatorlinien über Betonfertigteile realisiert. Der Asphalt ist mit einer Deckschicht aus Rheinkieseln versehen, damit wird ein Bezug zu dem nur 100m entfernten Fluss hergestellt. Auch die umgebenen Wegeverbindungen folgen diesem Gestaltungsprinzip: Die Wege wurden mit hellen, geschliffenen Betonpflaster belegt, in die Oberfläche sind ebenfalls Rheinkiesel eingearbeitet.

 

Neugestaltung des Mercatorplatzes im Bereich des ehemaligen Regierungsviertels UN Campus/ World Conference Centers, Bonn
Freianlagenplanung LPH 1 – 8

Flächengröße: 1.500 m²
Baukosten brutto: 215.000 €

Wettbewerb: 2008 (1. Preis)
Planung: 2013 – 2014
Fertigstellung: 2015

Projektleitung: Prof. Rainer Sachse
Mitarbeiter: Kerstin Gehring, Andreas Klahm, Johannes Middendorf, Sebastian Schleithoff

 

Auftraggeber: Stadt Bonn – Städtisches Gebäudemanagement

Fotografien: Prof. Rainer Sachse, Joachim Stretz

Adresse: Platz der Vereinten Nationen, 53113 Bonn